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Maria Caecilia Eberlin

Eva Neumayr:

Maria Caecilia Eberlin

Maria Caecilia Barbara Eberlin, Maria Caecilia Barbara Meissner (verh.), Caecilia Eberlinin, Frau Meissnerin
* 17. November 1728 in Salzburg, Österreich.
† 14. Dezember 1766 in Salzburg, Österreich.

Tätigkeitsfelder
Komponistin, Pianistin
Orte und Länder
Caecilia Eberlin wurde in Salzburg geboren. Über Reisen die sie aus dem Fürsterzbistum hinausführten, ist nichts bekannt. Möglich wäre, dass sie ihren Mann, den Sänger Nikolaus Meissner auf einer seiner Reisen begleitet hat, die ihn durch ganz Europa führten. Sie starb in Salzburg.
Profil
Maria Caecilia Barbara Eberlin wurde 1728 als älteste Tochter des späteren Salzburger Hofkapellmeisters Johann Ernst Eberlin und seiner Frau Maria Josepha Cäcilia (geb. Pflanzmann) in Salzburg geboren. 1751 heiratete sie Joseph Nikolaus Meissner, der einer der berühmtesten Salzburger Sänger war. Aus den Jahren 1750 und 1751 sind vier Kirchenarien von „Caecilia Eberlinin“ erhalten, die den Hauptteil ihres bisher bekannten kompositorischen Werkes ausmachen. Die Familie Eberlin gehörte zum Freundeskreis der Familie Mozart. Maria Caecilia Meissner starb 1766 in Salzburg.

Biografie

Maria Caecilia Barbara Eberlin wurde 1728 als älteste Tochter des Salzburger Hoforganisten und späteren Hofkapellmeisters Johann Ernst Eberlin und seiner Frau Maria Josepha Cäcilia (geb. Pflanzmann) in Salzburg geboren. Sie hatte fünf Geschwister, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten. Eine Schwester, Maria Josepha Katharina (1730-1755), heiratete den Komponisten und Eberlin-Schüler Anton Cajetan Adlgasser – ihre Tochter Maria Victoria wurde als die „Victorl“ der Briefe und Tagebuchnotizen zufolge eine langjährige Freundin Nannerl Mozarts. Maria Franziska Veronica (1735-1766) wurde Hofsängerin. Die jüngste Schwester, Maria Barbara Gertrudis (1740-1806) ist ebenfalls eine langjährige Freundin Nannerl Mozarts. In den Briefen der Familie Mozart heißt sie die „Eberlin Waberl“.
Caecilia Eberlin, wie sie sich auf den Titelblättern ihrer in den Jahren 1750 und 1751 entstandenen Arien nennt, dürfte Schülerin ihres Vaters gewesen sein. Dass sie auch Pianistin war, wissen wir nur aus einer für sie wenig schmeichelhaften Passage eines Briefes Leopold Mozarts an seinen sich in Augsburg befindenden Sohn, wo er ein Geschehnis wiedergibt, das sich etwa 1758 oder 1759 zugetragen haben muss: „- - dass der Herr Dechant beim hl: Kreutz ein lustiger Mann ist, darfst du mir nicht sagen. Er hätte dir sollen seine kleinen GallanterieStückchen, die er, vor etwa 18 oder 19 Jahrn, bey H. Lotter hat fürs Clavier trucken lassen, vorlegen; da hättest du zugleich den Author ausstudiren können, denn er war so ein schlauer Vocativus, daß er Authore Reschnezgi darauf drucken ließ. ich fand sie beym Lotter im Markt, kaufte sie, und trug solche zum seel: H: Eberlin. Da sie nun alle auf nichts wenigers als auf ihren H: Vetter Zeschinger dachten, so war es eine der angenehmsten Scenen für mich zu sehen und zu hören, wie die ohnehin alles Kritisierende Fr: Meissnerin, als die eingebildete grosse Clavieristin, hin und her probierte, nichts traf, obwohls wahre Kinderstückl warn, und doch alles belachte, die damalige Jungfr: franzl, und H: Meissner ihr Gespött trieben, H: Eberlin selbst nur höhnisch schmutzte, und ich hingegen das dinge immer hoch anpriese, und ohne Ende lobte. Da hättest du aber die spannlangen gesichter sehen sollen, als ich ihnen, nachdem ihr Gespött aufs höchste gekommen, den Nahmen des Authors entziffert hatte. da war anfangs altum Silentium! Dann sagte der seel[ige]: H: Eberlin, er ist ein Narr so etwas drucken zu lassen. Dieser spaß hatte geraten!“ (Bauer-Deutsch, Bd. II, S. 89f.)
Die „alles Kritisierende Frau Meissnerin“ ist natürlich Caecilia Eberlin, die 1751 den Hofbassisten Joseph Nikolaus Meissner geheiratet hatte, die „damalige Jungfr: franzl“ ihre Schwester Maria Franziska Veronika Eberlin, die um diese Zeit schon Hofsängerin gewesen sein dürfte. (Hintermaier, S. 81 und Fußnote 6). Die Bemerkung Leopold Mozarts über das Klavierspiel von Caecilia Eberlin kann leider nicht durch andere zeitgenössische Zitate relativiert werden, da sie bislang die einzige Nachricht ist, die wir über Maria Caecilia Eberlin als ausübende Musikerin haben. Allerdings muss man doch einige Dinge bedenken, wenn man dieses Zitat vor sich hat: Einerseits handelt es sich bei dieser Briefstelle um einen Ausschnitt aus einem privaten Brief, den Leopold Mozart wohl kaum für die Öffentlichkeit bestimmt hatte. Zum zweiten erzählt er eine Begebenheit, bei der er selbst anscheinend die gesamte Familie Eberlin an der Nase herumgeführt hat. Um nun seine eigene Rolle noch etwas zu betonen, kann es gut sein, dass er die Lächerlichkeit der anderen Beteiligten etwas übertrieben hat. Maria Caecilia Eberlin war sicher kein Genie und keine Virtuosin wie die Geschwister Mozart es waren – vielleicht waren auch ihre Fähigkeiten als „Prima vista“-Spielerin begrenzt. Als Tochter von Johann Ernst Eberlin (der eine ganze Generation von Musikern ausgebildet hat) und Frau von Johann Nikolaus Meissner, die, im Gegensatz zu Leopold Mozart, führende Mitglieder der Salzburger Hofkapelle waren (Johann Ernst Eberlin als Hofkomponist und Hofkapellmeister, Nikolaus Meissner als berühmtester Sänger) hat sie jedenfalls ihr ganzes Leben in einer höchst musikalischen Umgebung verbracht und hat für eine Frau des 18. Jahrhunderts sicher überdurchschnittlich viel von Musik verstanden. Die Arien, die sich von ihr erhalten haben, bezeugen, dass sie mit Sicherheit eine Ausbildung als Komponistin genossen haben musste.
Aus der Ehe Caecilia Eberlins mit Nikolaus Meissner gingen zwei Söhne hervor: Der Erstgeborene, Leopold starb bereits nach einem Monat, der zweite Sohn, Johann (Nepomuk Joseph Ernst) (1754-nach 1809) besuchte nach dem Tod der Mutter das Stiftsgymnasium Kremsmünster, war später ca. ein Jahr Mitglied der Hofmusik und ist dann als Kanzleidiener bei der Provinzial-Staatsbuchhaltung nachzuweisen. Er beerbte 1809 seine Tante, die Hofsängerin Maria Elisabetha Meissner. Danach ist von ihm nichts bekannt.
Nikolaus Meissner muss sehr viel auf Reisen gewesen sein. Leopold Mozart erwähnt in seiner „Nachricht....“ Konzerte in Pisa, Florenz, Neapel, Wien, Holland, München Würzburg, Mannheim, Stuttgart, Lüttich, Köln, Augsburg, Speyer, Padua und Venedig. Auf Reisen erreichte ihn auch die Nachricht von der Unpässlichkeit seiner Frau: „Von da an ging es über Winterthur nach Schaffhausen; auch hier war unser 4. Tägiger Aufenthalt sehr angenehm und wir fanden bey der Ankunft in Donauöschingen den Herrn Meisner der uns zum Wagen hineinbewillkommte, und uns und unserer Bagage aus dem Wagen holf! Er blieb noch 4. Tage neben uns in Donauöschingen. Ich war der erste der ihm von der Unbässlichkeit seiner Frau Nachricht bracht. Ich war so sehr erstaunt wegen seiner Unwissenheit, als er wegen meiner Erzehlung. Doch erhielt er nach einem paar Tage einen Brief von seiner Frau. Ich gab ihm Recomendation an meine Freunde nach der Schweiz, und ich hofe, daß es ihm gut gehen solle; sonderheitlich in Bern.“ (Leopold Mozart an Lorenz Hagenauer, Salzburg (München den 10. Nov. 1766) Bauer Deutsch I, S. 231, 112/34f)
Er sollte seine Frau Caecilia nicht wiedersehen. Nachdem sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hatte, starb sie bereits einen Monat später, am 13.12.1766. Die Hofmusiker ehrten sie mit der Aufführung eines Requiems in der Stiftskirche St. Peter: „XV Decembris die Lunae haben die Hofmusikanten in unserer Kirche ein magnifiques, und wohl schönes Requiem gehalten vor die jüngst verstorbene Frau Meisnerin, welche eine Tochter des Herrn Eberlin jenes allhier sehr berühmten, und ansehentlichen Kapellmeisters ware, und de facto ein Ehegatt des Berühmten Herrn Meisners, welcher alhier bey der Hofmousique Bassist ist und zwar ein solcher Bassist, und ein so kunstreicher Singer ist, das seines gleichen in Europa wenig, oder gar keiner sein wird; und just da seine Frau diese Tägen gestorben, ware er nicht zu Hause, sondern Er ist schon über ein halbes Jahr aus, und befindet sich nunmehr in der Schweiz seine virtú zu produciren, man verhoft ihne aber in bälde in Salzburg wiederum zu sehen.“ (Tagebuch des P. Beda Hübner, in Herbert Klein. Unbekannte Mozartiana von 1766/67, in: Mozart-Jahrbuch 1957. Salzburg 1958. S. 168ff.)

Würdigung

Maria Caecilia Barbara Eberlin schrieb jene vier Arien, die sie als Komponistin ausweisen 1750 bzw. 1751 für die kleine Salzburger Kirche St. Johannes am Imberg. Sie war damals noch nicht verheiratet und 22 bzw. 23 Jahre alt. Interpretin ihrer Werke war vermutlich ihre Schwester Maria Franziska Veronika, die spätere Hofsängerin. Die Arien sind gut gesetzte Werke im süddeutschen Kirchenstil, deutlich dem Werk ihres Vaters verpflichtet, mit originellen Texten (Textvorlagen leider unbekannt). Im Archiv des Klosters Nonnberg scheint sich ein weiteres Werk Caecilia Eberlins erhalten zu haben. Ob Caecila Eberlin als Pianistin aufgetreten ist oder als Klavierlehrerin tätig war, ist leider ebenfalls unbekannt.

Reception

Wie die Kompositionen Caecilia Eberlins im 18. Jahrhundert rezipiert wurden, ist unbekannt. Dass sie Klavier gespielt hat, wissen wir nur aus der oben zitierten Äußerung Leopold Mozarts.
Anfang des 20. Jahrhunderts nimmt Eitner die vier Arien Caecilia Eberlins in sein Quellenlexikon auf. Ihm ist es zu verdanken, dass die Werke Caecilia Eberlins in verschiedenen Arbeiten über ihren Vater Johann Ernst Eberlin in Fußnoten erwähnt werden, so bei Herbort, (Herbort, Heinz Josef. Die Messen des Johann Ernst Eberlin. Phil. Diss., Münster, 1961) und Schneider-Cuvay (Schneider-Cuvay, Maria. Die Instrumentalwerke Johann Ernst Eberlins. Phil. Diss., Salzburg, 1975
Erst Gerlinde Haas widmet ihr im Lexikon „210 österreichische Komponistinnen“ (erschienen 2002) einen eigenen Artikel.

Werkverzeichnis

Anmerkung zum Werkverzeichnis
Zwei der Arien haben jeweils zwei Texte, einen auf die Hl. Jungfrau Maria, einen zweiten auf den Evangelisten Johannes.
„Dass die Welt nit mehr soll büssen“ bzw. „Wer gibt mir heut Tauben fligerl“, Cantilena für Solosopran, 2 Violinen, 2 Hörner und Orgel, komp. 6. Oktober 1750, 7 Stimmen (ms.), Bayerische Staatsbibliothek (Mus.ms. 1337)
„Undankbare Salems Söhne“, Cantilena de Passione Domini für Solosopran, 2 Violinen und Orgel, 4 Stimmen (ms.), Bayerische Staatsbibliothek (Mus. Ms. 1339)
„Was soll unser Stimm beginnen“, Cantilena für für Solosopran, 2 Violinen, 2 Hörner und Orgel, komp. 1. Juli 1751, 6 Stimmen (ms.), Bayerische Staatsbibliothek (Mus. ms. 1338)
„Wie soll ich dich heut besingen“ bzw. „Augen heftet eure Blicke“, Cantilena für Solosopran, 2 Violinen, 2 Hörner und Orgel, komp. 23. Juni 1751, 7 Stimmen (ms.), Bayerische Staatsbibliothek (Mus. Ms. 1336)
Trauerlied von der gottselig verschiedenen Frauen von Paumgarten. 1756, Archiv des Klosters Nonnberg, Salzburg, Sign. Nr. XVI.1

Quellen und Literatur

Sekundärquellen
Bauer, Wilhelm A und Otto Erich Deutsch (Hrsg.). Mozart – Briefe und Aufzeichnungen Bd. I, Kassel, Basel, London, New York: Bärenreiter, 1962, S. 231, 112/34 und Bd II, S. 89f., 359/30f.
Hübner, Beda. Tagebuch. In: Herbert Klein. Unbekannte Mozartiana von 1766/67, in: Mozart-Jahrbuch 1957. Salzburg 1958. S. 168ff.)
Sekundärliteratur
Eitner, Robert. Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon. 11 Bde. Leipzig 1902-1906; NA Wiesbaden und Graz: Akad. Druck- und Verl.-Anst., 1959-1960.
Herbort, Heinz Josef. Die Messen des Johann Ernst Eberlin. (Phil. Diss.), Münster, 1961.
Hintermaier, Ernst. Die Salzburger Hofkapelle von 1700 bis 1806: Organisation und Personal. (Phil. Diss.) Salzburg, 1972.
Marx, Eva u. Haas, Gerlinde. „Eberlin Cäcilia“ in: 210 österreichische Komponistinnen. Salzburg, Wien, Frankfurt: Residenz, 2002.

Forschung

Bislang konnten folgende Bibliotheken und Archive ausfindig gemacht werden, die Quellenmaterial zu Caecilia Eberlin archivieren:
Salzburger Landesarchiv: HZA/1766/4/M,
Archiv des Klosters Nonnberg,
Archiv der Erzdiözese Salzburg und die
Bayerische Staatsbibliothek
Bisher sind nur sehr wenige Quellen zum Leben und Werk Caecilia Eberlins bekannt. Zu hoffen wäre, weitere Werke ausfindig machen zu können (falls sie nach ihrer Verehelichung weiterhin als Komponistin tätig war), oder auch Briefe, Tagebuchaufzeichnungen etc.
Anfragen in verschiedenen Archiven (z. B. in der Bayerischen Staatsbibliothek, in der Staatsbibliothek Berlin, in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg und im Historischen Archiv der Stadt Köln) waren bisher leider unergiebig.

Forschungsbedarf

Mit Ausnahme der Kurzbiografien einiger Hofsängerinnen wurde das, was Frauen im 18. Jahrhundert in Salzburg musikalisch geleistet haben, bislang kaum erforscht. Bezüglich Caecilia Eberlin gehören zu den ersten Desiderata der Forschung die Edition und Analyse ihrer bisher bekannten Werke – auch im Zusammenhang mit ähnlichen, bisher unerforschten Werken ihres Vaters. Außerdem wäre zu untersuchen, ob sie an der Entstehung der Werke ihres Ehemannes Joseph Nikolaus Meissner, von dem mehrere Schuldramen nachgewiesen werden können, beteiligt war. Die Suche nach weiteren Quellen zu ihrer Biografie wäre eine unabdingbare Voraussetzung für weitere Forschungen.

Autor/innen:
Eva Neumayr
Bearbeitungsstand:
Redaktion: Nicole K. Strohmann
Zuerst eingegeben am 18.05.2007 in "MUGI - Musik und Gender im Internet"